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Szenische Improvisation
Beim Versuch, Beobachtungen und Informationen einerseits, Gedanken und Gefühle andererseits nach zweimal fast vierstündigen Führungen durch
die Lager in szenische Improvisationen umzusetzen, ergibt sich eine sehr kontroverse Sichtweise und Diskussion. Trotz spielerisch-improvisierender Hinführung muß verbal geklärt werden, ob der eher emotional-realistische oder distanziert-stilisierende Darstellungsansatz angemessen erscheint.
Ein für beide Positionen gangbarer Mittelweg wird gesucht und führt zu folgendem Ergebnis:
geschäftiges / privates / familiäres Gehen formiert sich nach einiger Zeit wie von selbst zu einer Zweierkolonne
über eine hohe Stufe drängt sich die Gruppe in den "Waggon"; die endlos lange Fahrt beginnt; jemand wird ohnmächtig, stirbt, der Körper wird behutsam vor die Stufe gelegt; der Zug fährt weiter
Ankunft / Selektion: einzeln gehen die Ankommenden auf einen Menschen zu, der mit sparsamer Handbewegung entscheidet: Arbeit oder Vernichtung; hinter seinem Rücken kreuzen sich die Wege; ein immer schneller werdender Kreislauf beginnt, bis der erste stehen bleibt
an der Wand: wenn alle stehen, fallen Schüsse; die Körper sinken in sich zusammen
an der Grube: die leblosen Körper liegen am Rand der Stufe; wie beiläufig werden sie vom Mann mit dem Fuß hinabgestoßen; der Mann geht zur Frau, begrüßt sie und entschwindet mit ihr im Walzertakt
Gas: die Gruppe begibt sich in den Innenraum; ein Gegenstand wird zwischen die Menschen geworfen; sie sinken zu Boden; ein Mann zerrt und schleift die Körper zusammen; er geht im Kreis und verändert sich dabei, kehrt zurück und tappt nun behutsam mit Gesten von Mitleid und Trauer zwischen den Leblosen; er verläßt den Innenraum und löscht das Licht.
Volker Würthwein
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